Privatpraxis Ole Roloff, Berlin Friedrichshain

Selbst und Annahme: von Bedürfnissen zu problematischen Verhaltensweisen und zurück

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child with a rabbit

Wichtig: Dieser Text ist für das bessere Verständnis vereinfacht. Entsprechende Literatur kann ich gerne empfehlen.

„Wir sind nicht immer eindeutig.“

Gerade für Situationen im Leben, die uns nicht leicht fallen, ist es hilfreich zu wissen, dass wir Menschen nicht unbedingt „eindeutig“ sind, sondern mitunter sogar starke Gegensätze zwischen bewussten Wünschen und Handlungen bestehen: So gibt es über 20 Therapieverfahren – etwa die angesehene Schematherapie, das Innere Familiensystem (IFS), die Ego-State-Therapie, Re-Creation of the Self (R-CS) usw. –, die thematisieren, dass wir je nach inneren und äußeren Rahmenbedingungen unterschiedlichen „Modi“/“Rollen“ haben. Man kann es sich vorstellen wie über die Zeit immer wieder verknüpfte Gedanken, Gefühle und Handlungen, die sich über die Zeit von Trampelpfaden in innere Autobahnen verwandelt haben.

Verständlicher wird das, wenn wir uns anschauen, dass wir uns auf der Arbeit, bei der besten Freundin, bei den Eltern meist unterschiedlich verhalten, in unserem dort „eintrainierten“ Verhalten: So kennen es viele, auf der Arbeit oder zumindest bei Freunden selbstbewusst zu sein, während sie dann an Weihnachten wieder in eine „Kinderrolle“ zurückfallen.

Diese „Automatisierungen“, die je nach (innerer und äußerer Situation) anspringen, helfen uns eigentlich bei der Alltagsbewältigung; jedes Mal ein bewusstes Nachdenken würde unglaublich viel Energie kosten.

Waren wir in unserem Leben aber öfters einmal schwierigeren Bedingungen ausgesetzt, kann zu Problemen mit den daraus entstandenen, ins Unterbewusstsein gewanderten Automatisierungen kommen. Können wir etwa den Stoff für Prüfung ohne Probleme, blockiert uns in der Abfrage dann vielleicht doch die objektiv völlig unbegründeter Prüfungsangst konfrontiert zu werden. Oder wir rasten wider besseres Wissen aus, haben einen „Tick“ mit automatischer Körperhandlung usw.

Viele dieser Symptome haben wir entsprechend nicht unbedingt gerne, stören sie uns doch im Alltag, lassen uns unsicher wirken, zwingen uns vielleicht zu etwas, was wir objektiv gar nicht wollen. Diese mitunter gegensätzlich laufenden „Automatisierungen“ wieder miteinander auszusöhnen, ist Thema der auf inneren „Teile“/“Schemata“/“Ego-States“ spezialisierten Therapierichtungen.

Symptome wegschieben: eine gute Idee?

Ein „bewährtes“ Mittel vieler besteht im Alltagsumgang entsprechend darin, unliebsame Symptome wegzuschieben (wenn irgendwie möglich) durch Ausblenden, Ablenkung o.ä. Das ist auch für eine begrenzte Zeit in Ordnung, wenn gerade etwas Wichtiges zu erledigen ist, und uns dafür am Tagesende die Zeit nehmen, hinzuhören, was wir brauchen. Manchmal, etwa als von Liebe abhängige Kinder, blieb uns auch nichts anderes übrig.

Am längeren Verdrängen ist problematisch, dass die Bedürfnisse trotzdem nicht „weg“ sind, sondern sich dann stattdessen in Symptomen ihren Weg suchen. Und diese „Symptome“ können sowohl von früher als auch heute kommen.

Zugang über die Hypnose

In der Entspannung bis zur Hypnose lassen sich meist wieder Zugriff auf diese verdrängten/nicht mehr bewusst ablaufenden Inhalte (oder auch Teile, je nach Ansatz) und Lösungen finden. Hier gibt es verschiedene mögliche Wege: von dem Überschreiben des auslösenden Ereignisses, dem Hinterlegen einer umgänglicheren Bewältigungsstrategie bis hin zum heilendem Umgang mit inneren, verletzten Anteilen und Bedürfnissen.

So die Menschen und jeweiligen Umstände sind, so verschieden sind die jeweils am besten passendsten Wege. Mitunter sind es aber andere, als die, die wir bewusst gewählt hätten.

Systemische Therapie: „Deine Seele ist nicht blöd“ – Symptome als Ressourcen

Da wir in einem großen Teil unbewusst funktionieren, sind wir auf ein funktionierendes Unbewusstes angewiesen. Und „Deine Seele ist nicht blöd“, wie so schön die (zumindest die körperorientierte nach A. Wiendands, von dem auch die Zitate hier stammen) Systemische Therapie sagt:

Das Symptom ermöglicht dir etwas, was du dir selbst anders nicht bereit bist zu geben. Die Symptome sind hier somit weniger „Störungen“, die es „wegzumachen“ gilt, sondern werden vielmehr als Ressourcen für die bessere Erfüllung von eigenen Bedürfnissen angesehen, für die es einen besseren Weg zu finden gilt.

Denn: „Heute bist du deine eigenen Eltern.“ Du kannst Probleme mit deinen Eltern haben und was du von ihnen mitgegeben bekommen hast, jedoch bist du nun die Person, die sich um dich zu kümmern hat – „nur du bist in deinem Kopf“. Unsere Bedürfnisse haben wir, oft sind sie als in den entsprechenden Verfahren als kindliche Anteile erlebbar. Für den erwachsenen Umgang damit wird dafür z.B. in die Elternrolle sich selbst gegenüber oder „unverletzte innere Selbst“ gewechselt, von wo aus ein hilfreicherer, liebevollerer, effektiverer, unproblematischer Weg als das bisherige Verhalten gefunden werden kann. Oder der/die Therapeut:in nimmt diese Rolle an.

Entsprechend geht es in der Selbstwert-Therapie auch viel darum, die Erfüllung der Bedürfnisse damals wie heute anzuschauen, in welchen Rollen wir diese versuchen zu erfüllen und wie wir uns damit bewerten.

„Du kannst dich selbst nicht ändern.“

Der Satz „Du kannst dich selbst nicht ändern. Dafür ist die Psyche zu komplex.“ wird sicherlich einigen Widerstand auslösen. Er stammt von Milton Ericsson, dem Vater der modernen Hypnotherapie.

Gemeint ist damit (wenn ich es richtig verstanden habe), dass Formeln wie „Sei doch einfach nicht mehr depressiv“ oder „Hab diese Störung/diesen Tick/dieses Problem doch einfach nicht mehr“ nicht funktionieren. Therapie- und Psychiatrie-Patienten wären damit sonst wohl schnell wieder geheilt (wobei es natürlich auch körperliche Ursachen gibt, die sollten in dieser Vereinfachung auch nicht unterschlagen werden).

Das einzige, was hingegen zu ändern ist, ist der Umgang mit sich selbst (und wodurch auch andere eingeladen werden, wie sie mit dir umgehen). Entscheidend ist entsprechend weniger die Frage „Wie sollte ich sein?“ als „Was fühle ich alles, auch gegensätzliches? Und was genau brauche ich gerade (Bedürfnisse)?„. Oft orientieren wir uns am Außen, während die Antworten im Innen liegen.

Für viele wäre die radikalste Änderung, nicht mehr zu ändern, wer sie sind. Sondern stattdessen Wege dafür zu suchen wie sie damit in einer (sozial verträglichen) Form sein können: „Vielleicht sind die Wege (das Wie) nicht unbedingt optimal, da kann ich was anders machen – aber wer ich bin, das steht völlig außer Frage, damit bin ich okay, wenn nicht sogar ‚gut‘.“

Das kann man dadurch tun, indem man immer mal wieder über den Tag in sich zu den Gefühlen spürt, sich vertretbare Wege zur Erfüllung seiner Bedürfnisse sucht und zu sich „Ich mag mich so“. Oder im Autogenen Training eine Suggestion nutzt wie „Heute so, morgen so, ich will so bleiben, wie ich bin.“

Das Schöne ist: Organische Systeme, wie es auch wir Menschen sind, entwickeln sich dann weiter, wenn sie belassen werden, wie sie sind. Dafür hat sogar jemand den Nobelpreis bekommen.

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